Archiv für die Kategorie ‘Niedriglöhne’

Schon seltsam dass es diesbezüglich keinen Aufschrei in der Medienwelt gab, als Maybrith Illner im Februar diesen Jahres Gäste wie Thomas Gottschalk, Fernsehproduzentin Ute Biernat und Mathieu Carrière zur Sendung „Wetten, dass..? Oder Dschungelcamp? Was ist gute Unterhaltung“ einlud.

Denn sowohl Maybrit Illner als auch Thomas Gottschalk beleidigten und brüskierten in der Polit-Talkshow die Ärmsten unserer Gesellschaft, dass es einem schlecht wird.

Doch der Reihe nach: Es geht, wie schon angekündigt, ums Dschungelcamp, also um „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ auf RTL, welches eben im Februar diesen Jahres genauso im Gespräch war wie Wetten dass. Wetten dass natürlich wegen Gottschalks angekündigten Rücktritt nach dem Unfall von Samuel Koch in der Sendung.

Und so soll halt in fröhlicher Runde diskutiert werden, ob das gute Unterhaltung ist, was gut daran ist, was schlecht, ob nicht alles niveaulose Volksverblödung ist, und so weiter.

Nun weiß man seit der diesjährigen Folge vom Dschungelcamp aber, dass die meisten Zuschauer dieser Sendung wohl ziemlich gebildet sind, es gibt viele Akademikerhaushalte die sich das Dschungelcamp anschauen, ein knappes Drittel der Zuschauer hat Abitur, jeder fünfte Dschungelcamp-Zuschauer verfügt sogar über einen Uni-Abschluss.

Und da muß Maybrith Illner wohl vor der Sendung den gerade zitierten Sternartikel gelesen haben, denn in dem Artikel wird auch davon gesprochen, dass das Dschungelcamp eben – Zitat „kein Unterschichtenfernsehen“ sei, und genau das sagt sie dann auch in ihrer Sendung, Zitat Illner:

„Aber vielleicht ist es dafür auch nochmal schlau, sich anzugucken, wer diese Sendung überhaupt schaut. Das weiß keiner besser als Frau Biernat, weil erstaunlicherweise Frau Biernat, dieses Fernsehen „Das Dschungelcamp“ kein Unterschichtenfernsehen ist.“

Daraufhin hört man ein leichtes Raunen im Publikum, und auch Frau Biernat ist empört:

„Also ich wehre mich gegen diesen Begriff Unterschichtenfernsehen…“

 Doch schnell wie der Blitz bemerkt die Illner ihre widerliche Beleidigung:

„Ja ich hätte ihn in Anführungsstrichen gesetzt, machte ich ja auch gerade (Anm: Stimmt nicht!), also für die Ärmeren…oder man kann auch…“

Und da kommt ihr Gott sei Dank Gottschalk zu Hilfe und ergänzt:

„…schlichteren Gemüter“

Puh, Frau Illner fühlt sich gerettet, nicht wirklich darüber nachdenkend, dass diese Bezeichnung mindestens genauso diffarmierend ist, trotzdem stimmt sie ihm dankend zu:

„Ja! Oder für die Harzer, ich weiß nicht was man sonst noch dazu sagt, also…“

Daraufhin hört man höhnisches Gelächter im Publikum, doch Illner führt ihre Frage unverblümt zu Ende, „bloß nicht weiter verharren und schnell weitermachen, ablenken“, wird sie wohl gedacht haben.

Denn was sie sich da geleistet hat ist an Dreistigkeit und Verhöhnung kaum noch zu überbieten! Sie und auch Gottschalk beleidigen hier Hartz 4-Empfänger aufs Übelste! Sie scheren alle Hartz 4-Empfänger über einen Kamm, bezeichnen sie als dumm und ungebildet, Unterschichtenfernsehen – das heißt im Klartext „Fernsehen für die Armen und Dummen“, und genau das wollte Frau Illner mit dem Begriff auch sagen!

So denkt also eine Maybrith Illner, wer arm ist, ist auch gleichzeitig dumm und schaut niveaulose, volksverdummende Fernsehsendungen?! Unfassbar!

Und der Gottschalk mit seiner Trashsendung und seinen Millionen auf dem Konto soll doch gerade still sein! Das einzige, „schlichtere Gemüt“ ist nämlich nur er selbst.

Das Fernsehen ist Volksverdummung pur! Und auf diese Volksverdummung fallen nun mal alle Schichten dieser Geselllschaft herein, vollkommen unabhängig ob sie reich sind oder arm.

Aber traurig mit anzusehen, dass es schon soweit in unserer Gesellschaft gekommen ist, dass man die Gleichung arm=dumm und reich=schlau wieder anwendet, und das mitten im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen.

Deswegen, und man kann es nicht oft genug sagen: Abschalten!

Quellen: http://www.youtube.com/watch?v=aAoxp4A6ZCw

http://maybritillner.zdf.de/ZDFde/inhalt/13/0,1872,8212717,00.html

http://www.stern.de/kultur/tv/dschungelcamp-2011-der-zuschauer-das-mitfuehlende-wesen-1649160.html

http://www.fr-online.de/kultur/fr-fernsehkritik/gottschalk-sprachlos–illner-beschaedigt/-/1473344/7207310/-/index.html

Siehe auch: https://deinweckruf.wordpress.com/2010/11/12/springers-welt-uber-reeducation-das-fernsehen-unser-effektivster-erzieher/

https://deinweckruf.wordpress.com/2010/12/07/er-hat-es-bei-den-proben-jedes-mal-geschafft-thomas-gottschalk-beim-lugen-erwischt/

https://deinweckruf.wordpress.com/2010/12/13/er-spurt-seine-beine-thomas-gottschalk-luge-die-zweite/

https://deinweckruf.wordpress.com/2011/04/13/fernsehreporter-gunther-koch-medien-werden-gesteuert-von-den-machtigen-und-reichen-die-an-den-hebeln-sitzen/

Die Bildzeitung tut mal wieder das, was sie am besten kann – sie diffarmiert mit absolut widerwärtigen, populistischen  Ansichten und Vorurteilen die Ärmsten unserer Gesellschaft – nämlich die Hartz 4-Empfänger. Und das mit einem üblen Stammtisch-Jargon, dass einem nur schlecht werden kann. Doch der Reihe nach.

Axel Springer positioniert sich schon lange mit seinen größten Ablegern, der Bildzeitung und der Welt, als neokonservatives, propagandistisches, polemisch-populistisches und rechtes Leitmedium in der Medienlandschaft.

Nicht umsonst taufte es der Spiegel als den, Zitat:

„…Ersatz für die fehlende rechtspopulistische Partei.“

Deswegen erfreuen sich schon seit langem rechtspopulistische Blogs a la PI News und Co an dem Schmierblatt, gerne wird es auch als Quelle herangezogen.

Doch nun zum „Artikel“, der Autor dieser hetzerischen Propaganda ist Rolf Kleine. Rolf Kleine ist Leiter des BILD-Parlamentsbüro und hat sich auch in der Vergangenheit schon einige Dinger geleistet, da lästerte er über Wikileaks, dann geht er von dem wirklich total daneben gegangenen Auftritt des türkischen Ministers Erdogan zur Integration die die deutschen Steuerzahler bezahlen müssen, bis hin zur jetzigen Bashing-Parade gegen die Hartz 4-Empfänger.

Und was er da ablässt, ist spießiger Neokonservatismus vom Feinsten, hier die erste Kostprobe:

„Betrug auf Kosten der Steuerzahler

Solche Meldungen bringen unseren Sozialstaat in Verruf!

828 708-mal mussten die Arbeitsagenturen im vergangenen Jahr die Stütze kürzen.

Weil Hartz-IV-Bezieher Termine nicht wahrgenommen oder angebotene Jobs nicht angenommen haben.

Als wollten sie alle Vorurteile bestätigen: faul, unzuverlässig – und eigentlich nur darauf aus, ohne Arbeit an Geld zu kommen.“

Ja natürlich! Damit suggeriert Kleine, dass die Mehrheit der Hartz 4 Empfänger faule Schmarotzer wären, was absoluter Quatsch ist. Das was Kleine hier betreibt ist purer Populismus, er wirft ein paar Vorurteile in den Raum die sich dann, bewusst oder unbewusst, im Hinterkopf eines jeden Bildlesers verfestigen, ohne dabei zu erwähnen, dass diese Zahl des sogenannten Betruges bei weitem nicht die Mehrheit ist.

Er betont auch nicht, dass man jeden Fall individuell berücksichtigen muß. Denn nicht jeder der die Termine wahrgenommen hat, hat dies aus purem Eigenverschulden getan, es kann auch mal sein, dass ein Bus nicht pünktlich ist oder dieser gar ausfällt. Oder nicht jede Kürzung ist wirklich gerechtfertigt, auch die mächtige ARGE macht mal Fehler.

Und er gibt auch nicht zu, dass auch er nicht jede Arbeit annehmen würde, verlangt dieses aber gleichzeitig von den für ihn bösen und asozialen Hartz 4 Empfängern.

Nur weil das Geld gekürzt wurde heißt das noch lange nicht, dass diese Menschen nicht arbeiten wollen, denn das ist eine Schlußfolgerung, die wohl auch nur Neokonservative wie ein Herr Kleine oder eben PI-Leser sie ziehen würde.

Doch nun erstmal wieder zurück zu Kleines Artikel, denn seine eben ausgesprochenen Verleumndungen und Diffarmierungen gegenüber Hartz 4-Empfängern versucht er nun zu relativieren, Zitat:

„Um es klar zu sagen: Die Mehrheit der Hartz-Empfänger ist nicht zu beneiden – alleinerziehende Mütter, Arbeitslose, die trotz zig Bewerbungen keinen Job finden, weil sie vielleicht schon über 50 sind.“

Richtig, genauso sieht es aus! Und deswegen verdient es diese nicht zu beneidende Mehrheit auch nicht, von einem reichen Bonzen, dem vermutlich alles in den Schoß gefallen ist, so beleidigt zu werden, daran ändert auch dieser Versuch der Differenzierung nichts mehr!

Und da er ja darauf hingewiesen hat (vermutlich nicht aus Überzeugung und auch nur, damit ihn niemand als intoleranten Rechtspopulisten bezeichnet), kann Rolf Kleine nochmal ordentlich nachtreten, was das Hetzen angeht, Zitat:

„Um so dreister sind diejenigen, die die Arbeitsagentur mit einem Geldautomaten verwechseln – Kohle her. Und tschüss.

Wer Geld vom Staat bezieht, hat  verdammt noch mal die Pflicht, sich aktiv an der Suche nach einem neuen Job zu beteiligen. Alles andere ist Betrug – an den Millionen hart arbeitenden Bürgern, die mit ihren Steuern und Beiträgen das Geld für die Stütze aufbringen.

Und dafür jeden Morgen pünktlich zur Arbeit gehen.“

Die Begründung mit den Steuergeldern benutzt er anscheinend gerne. Aber Kleine weiß ganz genau, wo er die Knöpfe der deutschen Bürger drücken muß.

Denn sobald jemand den Rattenfänger „wir gehen arbeiten und zahlen für die Hartz 4 Empfänger“ auspackt, hat man gleich eine große Traube von deutschen Micheln auf seiner Seite. Ist ja auch einfach, so die Menschen aufzuhetzen und auf seine Seite zu bringen.

Aber das ist das große I-Tüpfelchen einer gut gemachten Propaganda. Wie beeinflusse und manipuliere ich das Volk am besten?

Anstatt zu erwähnen, dass der Sozialstaat eine große Errungenschaft Europas bzw. der westlichen Welt ist, für die uns andere Länder beneiden, wird lieber nur gehetzt und polemisiert was das Zeug hält.

Fakt ist, Hartz 4 Empfänger werden wie Menschen zweiter Klasse behandelt, und das ist ungerecht.

Wir haben nun mal einen Sozialstaat und Menschen, die Unterstützung brauchen. Außerdem kann jeder von uns auch mal in so eine Not geraten. Und ganz ehrlich? Dafür zahle ich gerne meine Steuern.

Quelle (Bildartikel): http://www.bild.de/news/standards/bild-kommentar/betrug-auf-kosten-der-steuerzahler-17489572.bild.html

Siehe auch: http://www.pi-news.net/2011/04/hartz-iv-massiver-missbrauch-des-asozialstaats/

https://deinweckruf.wordpress.com/2011/02/15/13-jahriger-bettelt-die-regierung-an-doch-zensursula-lasst-das-kalt/

https://deinweckruf.wordpress.com/2010/11/01/hetzerische-polemik-auf-unterstem-niveau-der-vergleich-zwischen-hartz-4-empfangern-und-tieren/

https://deinweckruf.wordpress.com/2010/12/15/arm-und-reich-zur-weihnachtszeit-ein-trauerspiel/

https://deinweckruf.wordpress.com/2010/11/12/ein-euro-jobber-bringen-2-mrd-gewinn-fur-die-armutsindustrie/

https://deinweckruf.wordpress.com/2010/11/11/der-angebliche-sozialstaat-der-bundesrepublik-deutschland/

BenachrichtigungssymbolHerzlichen Glückwunsch Frau Klöckner (CDU), für die bekloppteste Aussage im deutschen Fernsehen des Monats April 2011. Die Entscheidung fiel der Jury nicht leicht, weil es so viele gehirnamputierte Aussagen von deutschen Politikern gibt.

Aber Ihre Aussage, dass der Staat nicht für das Zähneputzen der Kinder verantwortlich ist, ist an Kaltschnäuzigkeit dann doch nicht mehr zu überbieten.

Der Preis in Form eines Gutscheines für einen Psychiater Ihrer Wahl geht Ihnen per DHL in den nächsten Tagen zu. Denn den brauchen Sie ganz dringend.

Noch eine Frage bitte, um was kümmert sich der Staat denn überhaupt noch, außer um sich selber?“

 

Was überschlugen sich die Medien doch, es gab kaum einen Rekord, der mehr Schlagzeilen machte: 2010 soll die Bundesagentur für Arbeit eine Million Menschen in einen Job vermittelt haben – so viele wie nie zuvor!

Eine Bild-Schlagzeile, die bundesweit von vielen Medien aufgegriffen wird.

Doch viele Hartz 4 Empfänger hatten daran Zweifel, denn keiner der Hartz IV-Empfänger, mit wenigen Ausnahmen, hat jemals eine Stelle seitens des Arbeitsamtes(!) zugewiesen bekommen. Die paar Ausnahmen bestanden dann in „befreundeten“ Industrie- oder Mittelstands-Unternehmen, denen dafür billige Arbeiter zur Verfügung gestellt wurden.

Diese Zweifel machten sich aber nicht nur unter Hartz 4-Empfängern breit, auch Experten können sich diesen angeblichen Vermittlungsrekord nicht nachvollziehen.

Deswegen begab sich die Sendung „Report Mainz“ auf Spurensuche. Und siehe da – auf Nachfrage von Report Mainz räumt die Bundesagentur ein, dass nur 120.000(!!!) Menschen von der Agentur vermittelt wurden.

Rund 500.000 haben sich ihren Job selbst gesucht.

Die Agentur habe nur davon gesprochen, dass eine Million Menschen in Arbeit integriert wurden – also irgendwie eine Job gefunden hätten.

Trotzdem sieht das die Bildzeitung anders, und verbreitet weiter ihre betrügerische Propaganda, wie der Artikel vom 28.03.2011 beweist, mit der reißerischen Überschrift:

„Rekord! 1 Mio Hartz-IV-Empfänger in Jobs vermittelt“

In dem Artikel heißt es unter anderem, Zitat:

„Laut Bundesagentur für Arbeit wurden im vergangenen Jahr insgesamt eine Million Leistungsbezieher in Ausbildung und Arbeitplätze vermittelt. Die höchste Quote seit Einführung der Hartz-Reformen 2005. Laut Bundesagentur hat damit jeder fünfte arbeitsfähige Empfänger von Arbeitslosengeld II eine neue sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufgenommen.“

Es wird also ganz klar behauptet, dass die Bundesagentur für Arbeit diese eine Millionen Menschen in eine Arbeit vermittelt hätten, kein Wort davon, dass sich die überwältigende Mehrheit von 880.000 Arbeitslosen ihren neuen Job selber gesucht haben!

Auch der renommierte Arbeitsmarktexperte und Professor für Volkswirtschaftslehre an der FH Remagen-Koblenz hinterfragt die Erfolgsmeldung der Bundesagentur. Er hält es für inakzeptabel, dass statt einer Million Hartz-IV-Empfänger in Wahrheit nur etwa 120.000 in Jobs und Ausbildung vermittelt wurden, und er sieht eeine bewusste Irreführung der Öffentlichkeit, Zitat Sell:

„Die in die weltgesetzte Zahl von einer Millionen Hartz 4-Empfänger, die nun in Jobs gebracht worden sind, ist eine bewusste(!) Irreführung der Öffentlichkeit, weil die Menschen denken, das sind jetzt Hartz 4 Empfänger die in einen normalen Job gebracht worden sind durch die Arbeit der Vermittler.

Das ist überwiegend nicht der Fall, die haben sich selber einen Job gesucht. Vor allem aber wird überhaupt nicht gesehen, dass über die Hälfte innerhalb weniger Monate wieder zurückkommt aus dieser Arbeit in das Hartz 4 -System, dass es sich häufig um Aufstocker handelt, wo weiterhin Arbeitslosengeld 2 gezahlt wird, und letztendlich soll die Botschaft vermittelt werden:

Auch bei den Hartz 4-Empfängern ist jetzt heile Welt angesagt, und wir können damit auch letztendlich zufrieden sein und brauchen hier keine Sorgen mehr zu haben.

Aber warum macht die Bildzeitung sowas? Und warum stellt die BA diesen offensichtlichen Fehler nicht klar? Wurde ihnen etwa von oben angeordnet, bewusst dieses Märchen in die Welt zu setzen?

Bei der Bildzeitung kann man wegen ihrer konservativen Einstellung vermuten, dass sie diese Lüge weiter verbreiten weil sie die schwarz-gelbe Regierung möglichst postitiv darstellen wollen, so nach dem Motto: „Seht her, diese Koalition ist gar nicht so schlecht, die machen super Arbeit, sogar die Arbeitslosen sind weniger geworden!“ – aber traurig ist das schon, so als eigentlich unabhängiges (*lach*) Medium politwirksame Propaganda in die Welt zu setzen.

Oder hat man etwa gezielt diese Meldung in die Welt gesetzt, um von anderen Dingen abzulenken?

Auf jeden Fall zeigt das mal wieder, dass man den Springermedien oder überhaupt den Mainstream-Medien nicht trauen kann. Selbst staatliche Institutionen, wie die Bundesagentur für Arbeit nehmen es mit der Wahrheit nicht immer so genau.

Und da soll man für die Zukunft nicht schwarzsehen?

Quellen: http://www.swr.de/report/-/id=233454/nid=233454/did=7723504/1ciuk3n/index.html

http://www.bild.de/politik/inland/hartz-4/rekord-bei-arbeitsvermittlung-17135184.bild.html

Siehe auch: https://deinweckruf.wordpress.com/2010/11/02/wir-lassen-uns-nicht-mehr-verarschen/

https://deinweckruf.wordpress.com/2010/08/28/aufgeschnappt-immer-mehr-arbeitsagenturen-erklaren-langzeitarbeitslose-fur-geistig-behindert/

https://deinweckruf.wordpress.com/2010/11/01/hetzerische-polemik-auf-unterstem-niveau-der-vergleich-zwischen-hartz-4-empfangern-und-tieren/

https://deinweckruf.wordpress.com/2011/02/15/13-jahriger-bettelt-die-regierung-an-doch-zensursula-lasst-das-kalt/

https://deinweckruf.wordpress.com/2010/11/12/ein-euro-jobber-bringen-2-mrd-gewinn-fur-die-armutsindustrie/

Es überrascht einen schon ein wenig, dass ausgerechnet der Sohn von Thilo Sarrazin, von dem der die Sozialpolitik der Bundesrepublik verteufelt und an andere Menschen besonders hohe Maßstäbe setzt, selber einen Sohn hat, der von Hartz 4 lebt.

Wir erinnern uns:  Im Jahre 2008 gab er Tipps, wie ALG-II-Empfänger sich mit Billig-Schrippen, Kartoffelsalat und Co für weniger als vier Euro pro Tag ernähren könnten und 2009 sagte er zum Umgang Arbeitsloser mit Energie und empfahl ihnen einen dicken Pullover – wie früher:

 „‚Hartz-IV‘-Empfänger sind erstens mehr zu Hause; zweitens haben sie es gerne warm, und drittens regulieren viele die Temperatur mit dem Fenster“.

[…]“Wenn die Energiekosten so hoch sind wie die Mieten, werden sich die Menschen überlegen, ob sie mit einem dicken Pullover nicht auch bei 15 oder 16 Grad Zimmertemperatur vernünftig leben können“

Welch bitterböse Ironie des Schicksals,  dass er eben diese zynischen „Ratschläge“ jetzt auch seinem eigenen Sohn geben kann.

Denn Richard Sarrazin, 30 Jahre alt, ist Hartz 4 Empfänger. Der älteste Sprössling von Ursula und Thilo Sarrazin lebt in einem Plattenbauhochhaus im Osten Berlins (Lichtenberg) und arbeitet nebenbei als Ein-Euro-Jobber als Garten- und Landschaftshelfer auf einem Friedhof.

Und so wie es aussieht, ist der junge Mann, der eine Ausbildung als als Bürokaufmann absolviert hatte, gerne arbeitslos. Im Gespräch mit der Bunten sagte er, Zitat:

„Es ist eigentlich ganz gut, arbeitslos zu sein und nicht gebraucht zu werden, weil man dann sein Lebenstempo selbst bestimmen kann.“

Das wird dem Ex-Bundesbank-Vorstand und seiner Frau sicherlich nicht gefallen. Aber wahrscheinlich genau deswegen wird Richard in der Familie ausgegrenzt und als „schwarzes Schaf“ bezeichnet:

„Meine Eltern sagen eigentlich selten etwas Gutes über mein Leben.

Ich bin für meinen Vater der Sündenbock, das schwarze Schaf der Familie.“

Auch für seine Mutter, die Lehrerin Ursula Sarrazin, hat er kaum gute Worte übrig:

 „Sie ist gern zu streng und übertreibt es mit Verboten und Aufsicht. Das ging mir tierisch auf die Nerven.

Ärger habe es meist ums Ausgehen und falsche Freunde gegeben.

Laut einer Nachbarin soll Richard Sarrazin keinen Fernseher mehr haben, weil er diesen aus dem Fenster gechmissen hat. Und auch sonst soll er unangenehm aufgefallen sein, hauptsächlich wegen Ruhestörung.

Das Foto von Richard Sarrazin zeigt einen traurigen jungen Mann, der es im Leben wohl nicht immer leicht gehabt hatte. Umso unverständlicher, und vor allem abartiger sind Sarrazins Aussagen über Hartz 4-Empfänger. Diese Hetz-Parolen scheinen jetzt nochmal in einem völlig anderen Licht. Denn viel scheint Thilo Sarrazin wohl nicht für seinen Sohn übrig zu haben. Aber noch viel schlimmer ist es, dass er sein eigenes Kind in dieser miserablen Lage lässt, und damit meine ich nicht nur das finanzielle.

Thilo Sarrazin ist jetzt Millionär, aber er lässt seinen eigenen Sohn am Hungertuch nagen, anstatt ihn zu unterstützen – Wie kalt und herzlos muß ein Vater sein, der sein eigenes Kind so hängen lässt?

Warum nimmt er ihn nicht an die Hand, und zeigt ihm den rechten Weg? Empfindet er denn keine Liebe für sein Kind?

Mir war schon immer klar, dass Thilo Sarrazin menschlich gesehen eine Null ist, ansonsten hätte er so ein Buch nicht schreiben können. Aber dass er dies wohl auch seinen eigenen Sohn spüren lässt, schockiert sogar mich.

Einfach nur noch abartig, dieser Mann.

Quellen: http://www.bunte.de/society/thilo-sarrazin-sein-sohn-lebt-von-hartz-iv_aid_23163.html

http://www.bild.de/BILD/politik/2010/12/17/thilo-sarrazin-ex-bundesbanker/verraet-ich-bin-mehrfacher-millionaer.html

http://www.berlinonline.de/berliner-kurier/print/berlin/337818.html

http://www.taz.de/1/leben/koepfe/artikel/1/das-schwarze-schaf/

Siehe auch: http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/0344e19aec07fca01.php

http://www.derwesten.de/nachrichten/politik/Thilo-Sarrazin-drischt-auf-Hartz-IV-Empfaenger-ein-id23087.html

http://www.tagesspiegel.de/berlin/landespolitik/sarrazin-so-sollten-arbeitslose-einkaufen/1164148.html

https://deinweckruf.wordpress.com/2010/09/19/gregor-gysi-zu-thilo-sarrazin-brilliant-und-haargenau-auf-den-punkt-gebracht/

„Die entzauberte Ursula von der Leyen“ – so titelte heute RP Online nach dem Auftritt der Arbeitsministerin in der TV-Sendung „Anne Will“. Frau von der Leyen hat ihr wahres Gesicht gezeigt, die Maske ist gefallen, übrig geblieben ist eine eiskalte, hässliche Fratze.

Doch der Reihe nach: Das Bundesverfassungsgericht erklärte Ende letzten Jahres die Hartz 4 Regelsätze für verfassungswidrig. Die Regierung wurde damit beauftragt, die Hartz 4 Regelsätze neu zu berechnen um den bedürftigen Menschen ein menschenwürdigeres Leben zu bieten.

Die schwarz-gelbe Regierung hingegen legte das Urteil des Bundesverfasssungsgerichts lieber so aus, wie es ihnen passte. Der Regelsatz wurde nur neu berechnet, das heißt das Tabak und Alkohol für die konservativ-spießige Koalition nicht tragbar waren und somit gestrichen wurden. Dafür kam dann ein bißchen Internet dazu, man erhöhte den Regelsatz um ganze 5 Euro (Skandal!), packte noch ein Bildungspaket für die Kinder drauf – und das wars.

Das sowohl Linke, als auch SPD und Grüne sich mit so einer sozialen Kälte nicht zufrieden geben würden, war doch vorrauszusehen. Denn bis auf das Bildungspaket für die Kinder hat sich doch schlichtweg gar nichts geändert, denn die Erhöhung des Regelsatzes von mickrigen 5 Euro mehr hätte sich der schwarz-gelbe Mob doch lieber gleich schenken können, denn 5 magere Euro mehr waren sicherlich nicht im Sinne des Bundesverfassungsgerichtes, die die Regelsätze als menschenunwürdig und verfassungswidrig einstuften.

Doch die neue/alte Hartz 4-Reform mußte erstmal durchgebracht werden, und da schwarz-gelb die Mehrheit fehlte, mußte sie mit rot-grün in die Verhandlungen gehen. Rot-Grün fordert anstatt der 5 Euro Erhöhung 11 Euro und Klarheit über die Finanzierung des Bildungspakets, außerdem herrscht Uneinigkeit bei Leiharbeit und Mindestlohn.

Aber wie zu erwarten scheiterten die Verhandlungen, die Fronten blieben verhärtet, und CDU und FDP konnten sich nicht dazu durchringen, den Regelsatz um weitere 6 Euro zu erhöhen, soweit geht also die christliche Nächstenliebe der Christlich-Deutschen Union.

Nun solls der Bundesrat rund um Kurt Beck (SPD) und Wolfgang Böhmer (CDU) richten, doch vorher gab es noch einmal einen Schlagabtausch bei Anne Will.

Die Sendung hieß „Das Hartz-Theater – was bekommt die Politik noch gebacken?“ , Gäste waren neben Zensursula und Manuela Schwesig auch Thomas Brauße, Unternehmer einer Imbissbude, und – zwei die der eogoistischen Arbeitsministerin wunderbar Paroli boten, nämlich einmal Journalist Michael Spreng und Verleger und Journalist der Wochenzeitung „der Freitag“, Jakob Augstein.

 

Das typische Bla bla, Parteikadereien, besonders interessant wurde die Sendung allerdings erst, als ein Einspieler rund um den Jungen „Maurice“ kam. Maurice ist 13 Jahre alt und kommt aus Berlin-Hellersdorf. Sein Vater  ist Leiharbeiter auf dem Bau. Um seine achtköpfige Familie durchzubringen, muss der Vater aufstocken – aus dem Hartz-IV-Topf.

Maurice Familie ist sehr arm, er selber wird oft gehänselt weil er kaum Kleidung hat. Doch Maurice hat seinen kindlichen Charme nicht verloren. So stellt er ziemlich pfiffig die Frage:

„Frau von der Leyen, Frau Schwesig, eine will 11 Euro mehr, eine 5 Euro mehr – könnt ihr aufhören euch zu streiten, und einfach in der Mitte treffen bei 8 Euro?“

 Nach dem Einspieler sah man dann, wie Frau Schwesig der von der Leyen die Hand reichte, denn sie wäre mit diesem Kompromiss von 8 Euro Regelsatzerhöhung durchaus einverstanden gewesen.

Doch Zensursula zog ihr eiskaltes Händchen zurück und lehnte ab. „Man müsse dem Gericht und den Steuerzahlern diese Sache erklären“, sagte sie selbstbewusst.

Daraufhin hörte man Jakob Augstein wütend im Hintergrund sagen:

„Das ist zynisch! Das ist zynisch!“

Die Arbeitsministerin versuchte es weiterhin mit Erklärungen, 8 Euro mehr müssten vor dem Gericht begründet werden, dabei blendete sie aber geschickt aus, dass das Bundesverfassungsgericht die Regelsätze für verfassungswidrig hält, und dass es eine Neuberechnung, und somit auch eine deutliche Erhöhung gefordert hat.

Doch da wohl schon klar war, dass Frau von der Leyen die Erhöhung des Regelsatzes auf 8 Euro konsequent und eiskalt ablehnen würde, hatte Maurice auch noch eine andere Bitte:

 „Wenn sie sich jetzt schon nicht einigen können wegen dem Hartz 4 Satz, können wir wenigstens nicht die 5 Euro mehr jetzt schon haben?“

Natürlich ist auch das nicht so einfach möglich, und Jakob Augstein platzte daraufhin der Kragen. Nicht nur, weil er die soziale Kälte von einer Frau von der Leyen nicht aushalten konnte, sondern auch, weil er es pervers fand, wie die ARD einen 13-jährigen Jungen vor die Kamera zerrte, damit er die Regierung um ein paar Euro mehr anbetteln konnte – und da hatte er auch nicht ganz Unrecht.

Anne Will bestätigte zwar, dass Maurice nicht dazu gezwungen worden wäre, aber es bleibt trotzdem moralisch etwas fragwürdig, ein bedürftiges Kind so vorzuführen.

Fakt ist, diese Sendung hat Ursula von der Leyen erheblichen Schaden zugefügt. Der einstige, von der Bildzeitung propagierte Glanz – er ist weg, Frau von der Leyen wurde entzaubert. Geblieben ist eine hässliche Fratze aus Sturrheit, sozialer Kälte, Selbstverliebtheit und Gewissenlosigkeit.

Hartz 4 ist und bleibt verfassungswidrig, der Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer. Die Unterschicht selber ist für die neoliberale und neokonservative Regierung nur ein Schandfleck, um den man sich nicht weiter kümmern braucht.

Viel wichtiger ist da doch die dicke Finanzspritze für Hoteliers – die haben es ja auch nötig, schließlich fehlen doch noch goldene Türknöpfe im Eingangsbereich.

Oder die Rettung Griechenlands, an der Deutschland mit den größten Anteil hatte, das alles ist wichtiger als die Armut im eigenen Land.

Frau von der Leyen’s Fassade der einstigen „Mutter der Nation“ hat erste Risse bekommen. Und so wie es aussieht, wird sie auch weiter bröckeln – man kann es nur hoffen, zum Wohle der Sozialschwachen, und zum Wohle der bedürftigen Kinder, um die sich die frühere Familienminsterin nie wirklich gestört hatte, sie wurden höchstens instrumentalisiert.

 

Siehe auch: http://www.rp-online.de/politik/deutschland/Die-entzauberte-Ursula-von-der-Leyen_aid_964984.html

https://deinweckruf.wordpress.com/2010/10/28/gregor-gysi-zur-erhohung-der-hartz-4-satze-5-euro-sind-ein-akt-der-verhohnung/

https://deinweckruf.wordpress.com/2010/09/27/welt-online-hartz-4-empfanger-sind-schuld-an-der-finanzkrise/

https://deinweckruf.wordpress.com/2010/11/01/hetzerische-polemik-auf-unterstem-niveau-der-vergleich-zwischen-hartz-4-empfangern-und-tieren/