Archiv für die Kategorie ‘Armut’

„Die entzauberte Ursula von der Leyen“ – so titelte heute RP Online nach dem Auftritt der Arbeitsministerin in der TV-Sendung „Anne Will“. Frau von der Leyen hat ihr wahres Gesicht gezeigt, die Maske ist gefallen, übrig geblieben ist eine eiskalte, hässliche Fratze.

Doch der Reihe nach: Das Bundesverfassungsgericht erklärte Ende letzten Jahres die Hartz 4 Regelsätze für verfassungswidrig. Die Regierung wurde damit beauftragt, die Hartz 4 Regelsätze neu zu berechnen um den bedürftigen Menschen ein menschenwürdigeres Leben zu bieten.

Die schwarz-gelbe Regierung hingegen legte das Urteil des Bundesverfasssungsgerichts lieber so aus, wie es ihnen passte. Der Regelsatz wurde nur neu berechnet, das heißt das Tabak und Alkohol für die konservativ-spießige Koalition nicht tragbar waren und somit gestrichen wurden. Dafür kam dann ein bißchen Internet dazu, man erhöhte den Regelsatz um ganze 5 Euro (Skandal!), packte noch ein Bildungspaket für die Kinder drauf – und das wars.

Das sowohl Linke, als auch SPD und Grüne sich mit so einer sozialen Kälte nicht zufrieden geben würden, war doch vorrauszusehen. Denn bis auf das Bildungspaket für die Kinder hat sich doch schlichtweg gar nichts geändert, denn die Erhöhung des Regelsatzes von mickrigen 5 Euro mehr hätte sich der schwarz-gelbe Mob doch lieber gleich schenken können, denn 5 magere Euro mehr waren sicherlich nicht im Sinne des Bundesverfassungsgerichtes, die die Regelsätze als menschenunwürdig und verfassungswidrig einstuften.

Doch die neue/alte Hartz 4-Reform mußte erstmal durchgebracht werden, und da schwarz-gelb die Mehrheit fehlte, mußte sie mit rot-grün in die Verhandlungen gehen. Rot-Grün fordert anstatt der 5 Euro Erhöhung 11 Euro und Klarheit über die Finanzierung des Bildungspakets, außerdem herrscht Uneinigkeit bei Leiharbeit und Mindestlohn.

Aber wie zu erwarten scheiterten die Verhandlungen, die Fronten blieben verhärtet, und CDU und FDP konnten sich nicht dazu durchringen, den Regelsatz um weitere 6 Euro zu erhöhen, soweit geht also die christliche Nächstenliebe der Christlich-Deutschen Union.

Nun solls der Bundesrat rund um Kurt Beck (SPD) und Wolfgang Böhmer (CDU) richten, doch vorher gab es noch einmal einen Schlagabtausch bei Anne Will.

Die Sendung hieß „Das Hartz-Theater – was bekommt die Politik noch gebacken?“ , Gäste waren neben Zensursula und Manuela Schwesig auch Thomas Brauße, Unternehmer einer Imbissbude, und – zwei die der eogoistischen Arbeitsministerin wunderbar Paroli boten, nämlich einmal Journalist Michael Spreng und Verleger und Journalist der Wochenzeitung „der Freitag“, Jakob Augstein.

 

Das typische Bla bla, Parteikadereien, besonders interessant wurde die Sendung allerdings erst, als ein Einspieler rund um den Jungen „Maurice“ kam. Maurice ist 13 Jahre alt und kommt aus Berlin-Hellersdorf. Sein Vater  ist Leiharbeiter auf dem Bau. Um seine achtköpfige Familie durchzubringen, muss der Vater aufstocken – aus dem Hartz-IV-Topf.

Maurice Familie ist sehr arm, er selber wird oft gehänselt weil er kaum Kleidung hat. Doch Maurice hat seinen kindlichen Charme nicht verloren. So stellt er ziemlich pfiffig die Frage:

„Frau von der Leyen, Frau Schwesig, eine will 11 Euro mehr, eine 5 Euro mehr – könnt ihr aufhören euch zu streiten, und einfach in der Mitte treffen bei 8 Euro?“

 Nach dem Einspieler sah man dann, wie Frau Schwesig der von der Leyen die Hand reichte, denn sie wäre mit diesem Kompromiss von 8 Euro Regelsatzerhöhung durchaus einverstanden gewesen.

Doch Zensursula zog ihr eiskaltes Händchen zurück und lehnte ab. „Man müsse dem Gericht und den Steuerzahlern diese Sache erklären“, sagte sie selbstbewusst.

Daraufhin hörte man Jakob Augstein wütend im Hintergrund sagen:

„Das ist zynisch! Das ist zynisch!“

Die Arbeitsministerin versuchte es weiterhin mit Erklärungen, 8 Euro mehr müssten vor dem Gericht begründet werden, dabei blendete sie aber geschickt aus, dass das Bundesverfassungsgericht die Regelsätze für verfassungswidrig hält, und dass es eine Neuberechnung, und somit auch eine deutliche Erhöhung gefordert hat.

Doch da wohl schon klar war, dass Frau von der Leyen die Erhöhung des Regelsatzes auf 8 Euro konsequent und eiskalt ablehnen würde, hatte Maurice auch noch eine andere Bitte:

 „Wenn sie sich jetzt schon nicht einigen können wegen dem Hartz 4 Satz, können wir wenigstens nicht die 5 Euro mehr jetzt schon haben?“

Natürlich ist auch das nicht so einfach möglich, und Jakob Augstein platzte daraufhin der Kragen. Nicht nur, weil er die soziale Kälte von einer Frau von der Leyen nicht aushalten konnte, sondern auch, weil er es pervers fand, wie die ARD einen 13-jährigen Jungen vor die Kamera zerrte, damit er die Regierung um ein paar Euro mehr anbetteln konnte – und da hatte er auch nicht ganz Unrecht.

Anne Will bestätigte zwar, dass Maurice nicht dazu gezwungen worden wäre, aber es bleibt trotzdem moralisch etwas fragwürdig, ein bedürftiges Kind so vorzuführen.

Fakt ist, diese Sendung hat Ursula von der Leyen erheblichen Schaden zugefügt. Der einstige, von der Bildzeitung propagierte Glanz – er ist weg, Frau von der Leyen wurde entzaubert. Geblieben ist eine hässliche Fratze aus Sturrheit, sozialer Kälte, Selbstverliebtheit und Gewissenlosigkeit.

Hartz 4 ist und bleibt verfassungswidrig, der Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer. Die Unterschicht selber ist für die neoliberale und neokonservative Regierung nur ein Schandfleck, um den man sich nicht weiter kümmern braucht.

Viel wichtiger ist da doch die dicke Finanzspritze für Hoteliers – die haben es ja auch nötig, schließlich fehlen doch noch goldene Türknöpfe im Eingangsbereich.

Oder die Rettung Griechenlands, an der Deutschland mit den größten Anteil hatte, das alles ist wichtiger als die Armut im eigenen Land.

Frau von der Leyen’s Fassade der einstigen „Mutter der Nation“ hat erste Risse bekommen. Und so wie es aussieht, wird sie auch weiter bröckeln – man kann es nur hoffen, zum Wohle der Sozialschwachen, und zum Wohle der bedürftigen Kinder, um die sich die frühere Familienminsterin nie wirklich gestört hatte, sie wurden höchstens instrumentalisiert.

 

Siehe auch: http://www.rp-online.de/politik/deutschland/Die-entzauberte-Ursula-von-der-Leyen_aid_964984.html

https://deinweckruf.wordpress.com/2010/10/28/gregor-gysi-zur-erhohung-der-hartz-4-satze-5-euro-sind-ein-akt-der-verhohnung/

https://deinweckruf.wordpress.com/2010/09/27/welt-online-hartz-4-empfanger-sind-schuld-an-der-finanzkrise/

https://deinweckruf.wordpress.com/2010/11/01/hetzerische-polemik-auf-unterstem-niveau-der-vergleich-zwischen-hartz-4-empfangern-und-tieren/

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Als Ronald Reagan an die Macht kam und Präsident der Vereinigten Staaten wurde, veränderte das alles – und das nicht nur in Amerika.

Reagan war es, der dem Kapitalismus eine größere Bühne gab als jemals zuvor, und er war wohl auch der Erste, dessen Politik enorm durch das Finanzsystem beeinflusst wurde.

Denn der Amtsantritt löste in der Wirtschaft Optimismus aus. Kein Wunder, wussten sie doch, dass Reagan eine für den Kapitalismus freundlichere Politik durchsetzen würde, unter anderem wurde die Reichensteuer gesenkt, so dass die Herzen der Reichen und Vermögenden höher schlagen konnten.

Und sie konnten auch höher schlagen, weil der neue Präsident einige bedeutsame Bankster und andere, einflussreiche Menschen aus dem Finanzwesen um sich scharte, sie waren der engere Kreis des Präsidenten und berieten ihn politisch in fast jeder Angelegenheit.

Einer von ihnen war Donald Regan. Donald Regan war zu der Zeit der Vorstandsvorsitzende der Merrill Lynch & Co Investmentbank. Und er war wohl so wichtig für Ronald Reagan, dass dieser ihn kurzerhand zum Finanzminister ernannte.

Doch Donald Regan war viel mehr als „nur“ der Finanzminister. Er wurde einer der engsten Berater Ronals Reagans und wich ihm nicht mehr von der Seite.

Das Donald Regan aber eigentlich der Strippenzieher und Präsident Ronald Reagan nur die Marionette war und somit viel weniger Macht als der Bankster hatte, beweist der nun folgende Videoausschnitt:

Denn bei einer Rede Ronald Reagans steht das Vorstandsmitglied der Merrill Lynch & Co Investmentbank direkt neben ihm. Und während der Präsident seine Rede vortrug flüsterte ihm Donals Reagan folgende Worte zu, Zitat Don Regan:

„[You have to] Speed it up!“

Deutsche Übersetzung:

„Machen Sie schneller!“

 Man muß sich das mal vorstellen – der Vorstandsvorsitzende einer Bank befielt hier dem Präsidenten der Vereinigten Staaten dass er mit seiner Rede aufhören und sich beeilen soll!

Und ich dachte immer, der Präsident der USA wäre der mächtigste Mann der Welt und könnte somit selber entscheiden, wann nun seine Rede zu Ende ist, nein – dieser Videoausschnitt belegt eindeutig, dass der Präsident selber kaum was zu sagen und zu entscheiden hat, sondern gelenkt wird von kapitalistischen Investmentbanken, wie eine Marionette!

Es ist wirklich traurig, aber das Sprichwort:

„Geld regiert die Welt“

kann man durchaus wörtlich nehmen. Denn der Kapitalismus hat gesiegt.

Siehe auch: http://en.wikipedia.org/wiki/Donald_Regan

http://en.wikipedia.org/wiki/Ronald_Reagan

 https://deinweckruf.wordpress.com/2010/12/07/politiker-und-banker-busenfreunde-auf-schmusekurs/

https://deinweckruf.wordpress.com/2010/11/24/die-banker-geben-keine-mude-mark-fur-irland/

Wer in Deutschland von einer Mini-Rente lebt, wer mit Hartz IV auskommen muss oder wer gar kein Einkommen hat – für den gehören die Weihnachtstage zu den eher unschönen Momenten im Jahr. Kein anderes Fest offenbart die Unterschiede zuschen oben und unten so kristallklar wie das Fest der Feude, das für viele so freudlos verläuft.

Ist zwar schon ein bißchen her, aber trotzdem immer noch brandaktuell. Denn so und nicht anders wie in dem Video gezeigt denkt die schwarz-gelbe Regierung von den viel zu lästigen Menschen, die unterhalb der Armutsgrenze leben müssen, wirklich…

 Denn als Gregor Gysi die Hartz 4 Empfänger im Bundestag erwähnt hört man im Hintergrund ein lautes, genervtes Stöhnen, vermutlich aus der schwarz-gelben Ecke.
Sowas würden sie sich ganz bestimmt nicht in einer Polit-Talkshow o.ä. trauen, aber hinter „vorgehaltener Hand“ ist das natürlich kein Problem…

Dabei hat Gysi doch recht: Was ist das für ein neues Gesetz, welches allen außer den Hartz 4 Empfängern (die es wahrscheinlich noch am nötigsten hätten) 20 Euro mehr Kindergeld gewährt?
Bräuchten nicht gerade die, die eh nicht viel haben, dieses Geld?

Und was ist das für eine Gerechtigkeit? Ein Herr Gysi oder Herr Lafontaine bekommen diese 20 Euro, welche sie gar nicht nötig haben, aber ein Hartz 4 Empfänger, der sowieso schon am Existenzminimum lebt, nicht?

Ja, ich kenne die Debatte, und ich weiß auch dass ein Herr Buschkowsky (Bezirksbürgermeister Neukölln -und SPD – kaum zu glauben aber wahr…)
sagte dass die „Unterschicht das Geld eh nur versaufen würde“ – mag sein, dass das auf einige zutrifft, aber was ist mit den anderen? Was ist mit denen, die unfreiwillig arbeitslos geworden sind, wieder arbeiten wollen und jeden Cent zweimal umdrehen um ihren Kindern was bieten zu können? Verdienen die nicht gerade das Geld?
Wo bleibt da die soziale Gerechtigkeit?

Genauso das erst vor kurzem beschlossene Sparpaket, warum wird die Last mal wieder auf den Schultern der Armen getragen, warum müssen wieder die Hartz 4-Empfänger darunter leiden?

Armes Deutschland, was hast du nur für unsoziale, neoliberale Kapitalisten gewählt…

Siehe auch: https://deinweckruf.wordpress.com/2010/10/28/gregor-gysi-zur-erhohung-der-hartz-4-satze-5-euro-sind-ein-akt-der-verhohnung/

https://deinweckruf.wordpress.com/2010/11/01/hetzerische-polemik-auf-unterstem-niveau-der-vergleich-zwischen-hartz-4-empfangern-und-tieren/

https://deinweckruf.wordpress.com/2010/11/11/der-angebliche-sozialstaat-der-bundesrepublik-deutschland/

Die Steuerzahler müssen mal für die Pleite eines anderen EU-Mitgliedstaates blechen, erst war es Griechenland, jetzt ist es Irland.

Für Josef Ackermann, Vorsitzender der Deutschen Bank jedenfalls gibt es da sowieso überhaupt keine Frage – Irland muß gerettet werden, weil dadurch auch Europa gerettet wird.

Strahlend sagt er in die Kamera:

„Wir müssen nur überzeugt sein, dass Europa jeden Preis wert ist.“

Nur geht es Ackermann und seinen Kollegen wirklich um Europa oder nicht doch eher um die Bilanzen der Banken?

Siehe auch: https://deinweckruf.wordpress.com/2010/11/24/die-banker-geben-keine-mude-mark-fur-irland/

Welt Online hat dieses Wochenende mal wieder den Vogel abgeschossen. Wegen der anhaltenden Kritik über die viel zu unzureichende Hartz 4-Reform hat sich auch das Springer-Blatt diesem Thema angeschlossen, genauer gesagt war es Gerd Habermann, der mit seinem neoliberalen Geschwätz die Hartz 4 Empfänger bloßstellte, demütigte und erniedrigte.

Aber nun wollen wir uns erstmal dem Autor dieses widerwärtigem Artikels widmen, denn Gerd Habermann ist in Sachen Sozialpolitik kein unbeschriebenes Blatt. Der Publizist, der sich auch selbst gerne als „Wirtschaftsphilosoph“ bezeichnet, hatte schon in der Vergangenheit mehrfach gegen den Sozialstaat gehetzt, schon 1977 schien ihm das ein Dorn im Auge zu sein, als er sein erstes Werk „Über Junkertum und Bürokratie – Zur Genesis des deutschen Sozialstaates“ veröffentlichte. Darauf folgten dann ähnlich hetzerische Werke mit so klangvollen Namen wieDer Wohlfahrtsstaat – Die Geschichte eines Irrwegs“ oderRichtigstellung – Ein polemisches Soziallexikon“.

Außerdem wäre noch zu erwähnen dass Habermann Mitglied der FDP ist und er sich an den Positionen Friedrich August von Hayek orientiert. Das erklärt seine Hetze gegen den Sozialstaat, denn von Hayek war ein absoluter Kritiker des Sozialismus.

Soviel also zu seiner Person, jetzt zu seinem Artikel.

Schon die Überschrift verrät den polemischen Artikel und die eigentliche Intention des Autors, Zitat:

„Ein seltsames Recht, auf Kosten anderer zu leben!“

Für ihn mag das vielleicht seltsam sein, da er in seiner neoliberalen Ideologie gefangen ist, für Menschen die den Sozialstaat als gerechtfertigt ansehen, ist das aber ganz normal. Denn Deutschland ist kein Land, welches ihre Bürger im Stich lässt, nur weil diese keine Arbeit finden, jedem Deutschen, der keine Arbeit hat, wird geholfen. Das ist das Gute am Sozialstaat, dass wir niemanden hängenlassen, nur weil derjenige arbeitslos ist. Denn jeder Mensch kann mal in die schlimme Lage kommen, seinen Job zu verlieren.

Nein, Sie natürlich nicht, Herr Habermann, Sie gehören ja zur Elite, Sie sind auf so etwas natürlich nicht angewiesen, aber vielleicht sollten Sie mal darüber nachdenken, dass es dem „kleinen Mann“ nun mal nicht so gut geht wie Ihnen, und dass ein Arbeiter nicht so schnell wieder in den Beruf zurückkommt wie Sie es vielleicht vermuten. Aber es ist natürlich immer einfach, aus einem goldenen Palast Polemik und alte Stammtischparolen abzufeuern, ich weiß.

Aber erstmal zurück zum Artikel, denn was jetzt kommt, ist an Widerwärtigkeit und Unmenschlichkeit wirklich kaum noch zu überbieten, denn um seine kalte, neoliberalistische Ideologie zu verbreiten, scheut sich Habermann auch nicht davor, einen Vergleich zu Tieren herzustellen, Zitat:

„Menschenwürde bedeutet aber zunächst nur die objektive Sonderstellung des Menschen gegenüber den „vernunftlosen“ Tieren und der unbelebten Welt, weil der Mensch überlegt handeln und seinem Leben Wert und Sinn verleihen kann.“

Widerlich! Wie kann man nur einen Vergleich zu Tieren herstellen? Ist mir unbegreiflich, da ist wohl seine pseudophilosophische Ader ein bißchen zu viel mit ihm durchgegangen.

Doch gucken wir mal, worauf er damit überhaupt hinaus will:

„Das ist ganz unabhängig davon, ob er ein armer Almbauer oder ein reicher Börsenmagnat ist: Menschenwürde ist mit dem Menschsein selber gegeben. Genauso wie persönliche Freiheit nicht mit gutem Versorgtsein oder Wohlhabenheit korreliert. Man ist nicht unfrei, wenn man ärmlich leben muss – Freiheit verstanden als Freiheit vom willkürlichen Herumkommandiertwerden durch andere Menschen! Der wohlversorgte, aber angekettete Hofhund des Bauern ist nicht schon deswegen frei, weil er gut versorgt wird; und der hungernd herumstreifende Fuchs ist nicht deswegen unfrei, weil er hungrig ist.“

Nein, es sagt ja auch niemand, dass Freiheit etwas mit Wohlstand zu tun hat, und es rechtfertigt noch lange nicht das, worauf der Autor hier hinauswill. Der Versorgte ist sicherlich nicht in Ketten gelegt, nur weil er Hilfe bekommt. Und es ist auch nichts falsch daran, einem Menschen in Not zu helfen.

Weiter argumentiert Habermann:

 „Zur Menschenwürde gehört auch, dass der Mensch zur Selbsthilfe und zur Selbstverantwortung fähig ist und sich beschämt fühlt, wenn er auf Kosten anderer Leute, sei es auch über Staatsgeschenke, leben muss. Den Empfängern solcher Geschenke ohne Gegenleistung darf es nicht erspart bleiben, diese Situation als schmerzlich zu empfinden. Eben dies spornt an, aus dieser unwürdigen Lage wieder herauszukommen.

[…]Gerade dieses gewisse Stigma der öffentlichen Unterstützung empfinden aber unsere Sozialapologeten als eine unzumutbare „Demütigung“[…]“

Achso Herr Habermann, und Sie meinen, dass sich die Hartz 4 Empfänger damit wohlfühlen, Leistungen vom Staat zu beziehen? Nein, eben nicht! Der Mehrheit ist es unangenehm, auf Staatskosten leben zu müssen und sie wollen so schnell es geht wieder in Arbeit. Es gibt glaube ich niemanden, der stolz darauf ist, Sozialleistungen zu beziehen, nur was sollen sie machen, wenn sie unverschuldet in diese Lage gekommen sind und keine Arbeit mehr finden? Sollen sich die Hartz 4 Empfänger wirklich zu Tode dafür schämen, dass Neoliberalisten und Konservative dieses von ihnen verlangen? Ja, das ist demütigend und menschenverachtend.

Das die FDP und ihre Anhänger das Prinzip des Sozialstaates am liebsten auf den Kopf stellen, oder diesen am liebsten doch eher gleich abschaffen würden zeigt der nächste Abschnitt:

„Sie suggerieren ihren Klienten: Du empfängst keine Almosen, sondern bekommst nur dein gutes Recht, wenn du Unterstützungsleistungen empfängst. Ein seltsames Recht, dem Nächsten in die Tasche zu greifen!“

Das ist das Prinzip einer Solidargesellschaft Herr Habermann, und auch das Prinzip der Menschlichkeit. Sollten Sie einmal arbeits – u. mittelos werden, so bekämen Sie auch Unterstützung vom Staat, um nicht auf der Straße schlafen zu müssen. Aber soweit wird es bei Ihnen ja nicht kommen, deswegen kann man auch schön weiter von oben herab die kleinen Leute demütigen, stimmts?

Weiter im Text:

 „So wandelte sich begrifflich die althergebrachte Armenpflege zur Fürsorge, dann zur Sozialhilfe, schließlich ganz wertneutral zu Hartz IV. Aus „Armen“ wurden „Hilfebedürftigen“, dann „Hilfeempfänger“, schließlich „Leistungsempfänger“. Eine wunderbare Karriere!“

Ja, eine wunderbare Karriere ist das, wenn man beispielsweise ein Hartz 4 Kind nicht mehr als ‚arm‘ und ‚hilfebedürtig‘ stigmatisiert, sondern ihm mit der Bezeichnung ‚Leistungsempfänger‘ aus der Demütigung herausholt…Nach Ansicht des Autors wäre es wohl besser gewesen, das Hartz 4-Kind auch weiterhin als „verarmtes Unterschichtenkind“ zu kränken und zu erniedrigen, da diese Bezeichnungen ja für das Selbstwertgefühl durchaus hilfreich sind. Unglaublich, dass der Autor selbst bei Begriffen die Menschenwürde weiter in den Keller treiben will.

„Der Begriff der relativen Armut hat alle Schleusen des Anspruchsdenkens geöffnet. Es muss ja immer jemanden geben, der relativ ärmer ist. Man kann zwar ein relativ reicher Mann sein, aber doch im Vergleich zu Bill Gates als relativ arm erscheinen. Es gibt eben weder für Menschenwürde, gemessen am Lebensstandard, noch für Armut eine objektive Begriffsbestimmung – daher das Geschacher um die Regelsätze für Hartz-IV-Empfänger.“

Was das für eine Verhöhnung und Erniedrigung der Menschen ist, die wirklich an der Armutsgrenze stehen, scheint dem Autor gar nicht klar zu sein. Wenn man wirklich Bedürftigen noch nicht mal die Wurst auf dem Brot gönnt, muß man schon ein sehr schwacher Charakter sein – kalt, unberechenbar, ja sogar weltfremd. Neoliberale wie Gerd Habermann sind die wahre Rache des Wohlstandsbürgers.

„Die gegenwärtige Sozialhilfe hat den Ehrgeiz, Verarmung und Misserfolg möglichst vor den Augen anderer zu verbergen. Die Betroffenen sollen ein „normales“ Leben führen können, eben das, was man menschenwürdig nennt. Aber wenn diese Hilfe so menschenwürdig ist, gibt es dann noch einen Grund, sich wieder auf eigene Füße zu stellen?“

Achso, in der neoliberalen Ecke will man also das ganze Ausmaß der Armut sehen? Mein Tipp: Gehen Sie mal nach Berlin-Marzahn, besuchen Sie die Tafeln, und gucken Sie sich die verarmten Kinder an, mit ihren kaputten Klamotten von Kik, ihrem abgenutzten Spielzeug oder die nach Urin stinkenden Plattenbauwohnungen, dann werden Sie wahre Armut sehen. Aber parken Sie Ihren Mercedes Benz vorsichtshalber an einer abgelegeren Stelle.

Und zum Zweiten: Natürlich gibt es auch dann noch einen Anreiz zum Arbeiten, denn mit 359 Euro im Monat kann man keine wirklich großen Sprünge machen, das ist zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel.

„Zudem können sich die Betroffenen nach der geltenden „sozialen“ Schuldtheorie einreden, dass ja nicht sie, sondern die Gesellschaft an ihrer bedauernswerten Lage schuld sei. Ihnen wird gesagt: „Es ist nicht dein Fehler!“ Man fordert mit dem Recht auf öffentliche Unterstützung quasi eine soziale Wiedergutmachung.“

Da braucht man sich nicht viel einreden, denn das ist zum Teil auch so. Zwar hat sich der Arbeitsmarkt wieder etwas stabilisiert, trotzdem ist es immer noch schwer, überhaupt Arbeit zu finden, geschweige denn einen Ausbildungsplatz.

Und Langzeitarbeitslose haben es auch weiterhin schwer, einen Arbeitsplatz zu finden. Vorurteile, die von Menschen wie Habermann gestreut werden, nämlich das sich Langzeitarbeitslose gar nicht richtig bemühen und sich auf den staatlichen Leistungen ausruhen würden, bestehen auch weiterhin. Es liegt also bei weitem nicht nur an den Leistungsempfängern, so wie es hier in dem Artikel gerade dargestellt wird.

Habermann wäre nicht Habermann, wenn er nicht nach dem Tiervergleich noch eine demütigerende Aussage heraushauen würde, Zitat:

„Im 19. Jahrhundert galt es dagegen als menschenwürdig, gerade nicht auf öffentliche Kosten zu leben. Vor 1918 entzog man Unterstützungsempfängern sogar das Wahlrecht (übrigens auch den „Bankrotteuren“). Da sind wir heute milder.“

Und das findet Habermann natürlich schade, er wünscht sich nämlich ähnlich krasse Verhältnisse wie die aus dem 19. Jahrhundert, zumindest suggeriert er das gerade mit diesem lächerlichenVergleich, aus dem wohl auch nur er und andere FDP-Anhänger ihre ideologischen Schlüsse ziehen, seltsam, diese Liberalen.

Und das Herr Habermann ein absoluter Gegner des Mindestlohns ist, lässt er uns in seinem nächsten Abschnitt erahnen:

Aber mit dem sich ausbreitenden gesetzlichen Mindestlohn, den unabdingbaren Lohntarifen oder gar einem bedingungslosen Grundeinkommen wird gerade der entgegengesetzte Weg begangen.“

Genau! Denn der FDP ist natürlich völlig egal, wieviel zum Beispiel ein Zeitarbeiter die Stunde kriegt. Denen geht es nur um ihre kapitalistischen Unternehmen, die kleinen Leute und ihre Einzelschicksale interessieren sie überhaupt nicht. Für Liberale sind Arbeiter nur Maschinen, nicht mehr.

 „Niemals sollte es menschenunwürdig sein, sich seinen Lebensunterhalt selber verdienen zu müssen, sei es mit Schuhputzen, Brötchenaustragen oder Straßenfegen.“

Es ist auch nicht menschenunwürdig, allerdings wird man mit den hier genannten Minijobs wohl kaum seinen Lebensunterhalt bestreiten können, dafür bräuchte man dann schon den Mindestlohn, um nicht aufstocken zu müssen, aber da sich die FDP ja gegen den Mindestlohn sperrt, wird man aus diesem Teufelskreis auch nicht herauskommen, leider.

Zum Ende des Artikels versucht der Autor das Ruder nochmal herumzureißen, beteuert, dass sein hetzerischer Artikel kein Plädoyer gegen die, Zitat – „wirklich Bedürftigen“ wäre. Aber wer sind denn die „wirklich Bedürftigen“, und wer entscheidet ob man sie als „wirklich bedürftig“ bezeichnen darf  oder nicht?

Fakt ist doch, dass jeder, der diese Leistungen bezieht, auch wirklich bedürftig ist. Menschen die keine Arbeit finden, die ohne alles dastehen und kein Geld für ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen haben, sind bedürftig. In Deutschland muß niemand hungern und auf der Straße stehen, dafür ist der Sozialstaat da.

Und das ist auch gut so.

Quelle: http://www.welt.de/debatte/kommentare/article10635485/Ein-seltsames-Recht-auf-Kosten-anderer-zu-leben.html#

Siehe auch: https://deinweckruf.wordpress.com/2010/09/27/welt-online-hartz-4-empfanger-sind-schuld-an-der-finanzkrise/

Siehe auch: https://deinweckruf.wordpress.com/2010/09/27/welt-online-hartz-4-empfanger-sind-schuld-an-der-finanzkrise/