Wenn man sagt Deutschland stände auch heute noch unter der Regie ihrer damaligen US-amerikanischen Besatzer, so heißt das natürlich nicht gleich, dass es hier in der BRD nur so von amerikanischen Aufpasser wimmelt, die uns tagtäglich und für jeden Bürger ersichtlich auf die Finger gucken.

Nein, eine stetige Überwachung und Kontrolle Deutschlands darf natürlich nicht auffällig sein, denn der deutsche Michel soll ja keinen Verdacht schöpfen, dass Deutschland immer noch unter Kontrolle ihrer damaligen Besatzer steht.

Und wen  schickt man für solche Geheimoperationen am besten ins Rennen? Richtig, die CIA.

So berichtet der Spiegel in einer Ausgabe von 1995 völlig unverblümt über das Wirken der CIA in Deutschland:

„Bislang hatten die Geheimdienstler der Siegermacht USA, die sich nach Kriegsende mit Hilfe des Nazi-Generals Reinhard Gehlen im Bundesnachrichtendienst (BND) in Pullach ihr deutsches Ziehkind schufen, in der Bundesrepublik ungehemmt agiert wie auf dem eigenen Hinterhof.

 In den heißen Jahren des Kalten Krieges tummelten sich mehrere hundert hauptamtliche Späher der US-Agentenzentrale auf bundesdeutschem Boden mit Operationszentralen in Bonn und West-Berlin, im Frankfurter IG-Farben-Hochhaus und in München.“

Ein hochraniger, Kölner Verfassungsschützer weiß darüber zu berichten, Zitat:

„Die Amerikaner machten bei uns, was sie für richtig hielten.“

Und ein erfahrener Pullacher Nachrichtendienstler registrierte, daß es den transatlantischen Kundschaftern nicht bloß um Ost-Aufklärung ging, sondern auch um die politische und wirtschaftliche Ausforschung der Bundesrepublik.

Laut dem BND-Mann hätten sich dafür genügend Deutsche als Informanten zur Verfügung gestellt – und für viel Geld auch Bonner Politiker(!), Zitat:

„Die stiegen teuer ein.“

So wurden Politiker in der Nachkriegszeit für ihre Dienste von der CIA bezahlt, also kann man davon ausgehen, dass vieles was die Politiker außen- sowie innenpolitisch ansetzten, in Wirklichkeit von der CIA instruiert wurde, und sowohl BND als auch die Bonner Politiker haben die CIA = USA über Deutschlands Politik auf dem Laufenden gehalten.

Beim Bundesnachrichtendienst beobachtete man die hiesigen Aktivitäten der US-Behörde in Langley (Virginia) teils besorgt, teils neidvoll:

„Die US-Kollegen tummelten sich im Gelben vom Ei; die hatten tolle Zugänge und konnten ständig ins Kanzleramt und in die Parteizentralen marschieren.“

Ja, und das passierte nicht nur in den 50ern und 60ern, sondern ging weit bis in die 90er Jahre hinein.

Weiter berichtet der Spiegel über die dreisten Methoden der CIA nach dem Fall der Berliner Mauer 1989. So kassierten sie wichtige Dokumente und allerlei Stasi-Material, welches eigentlich dem BND zugestanden hätte.

Markus Wolf (ja, auch der taucht hier wieder auf…) erzählt sogar, dass man ihm Millionen für einen Wechsel geboten hatte:

„Die waren unglaublich forsch, die gingen mit hohen Chargen direkt unsere Mitarbeiter an und boten Überläufern Millionen.“

Die kauffreudigen Freunde von „Hortensie“, so das Pullacher Synonym für die CIA, schnappten sich in Ost-Berlin die besten Brocken.

Nun liegen diese Stasi-Dokumente in den Archiven von Langley. Die Deutschen bekommen nur begrenzt Einblick in die Original-Karteien.

Bonns herbeipilgernde Agentenjäger müssen sich mit herausgefiltertem Material begnügen und dürfen sich nur unter Aufsicht Notizen machen. Kein Wunder, daß da der Verdacht aufkam, die CIA habe inzwischen ein paar von Wolfs Top-Spionen für eigene Zwecke requiriert.

Soso, dann gab es für Markus Wolf’s Aussage, die CIA hätte seinen Leuten Millionen geboten wohl doch nicht so ganz haltlos, wenn schon der Verdacht aufkam die CIA habe sich ein paar von Wolfs Top-Agenten geholt.

Das bestätigt doch, dass Wolff im Geheimen auch für die CIA tätig war. Und auch für die CIA hatte er Barschel nach Genf gelockt – das sind keine Zufälle mehr, sondern ganz klare Fakten.

Aber unser Thema ist ja nicht Barschel, sondern die CIA und ihre Arbeit in Deutschland.

Da die Aktionen der CIA immer dreister wurden, fühlte sich die Bonner Regierung auf den Schlips getreten. Die Eingriffe der CIA in die Arbeit der BRD-Marionetten sorgte für nachhaltige Verstimmung beim Bonner Verbündeten. Ein BND-Spitzenmann äußerte sich wütend:

„Das war die letzte Aktion unkontrollierten Vorgehens der Amis bei uns.“

Ob sie mit diesen Drohgebärden allerdings was erreichen konnten, bleibt ungeklärt.

Fakt ist dass auch nach der Wende noch die Telefone deutscher Regierungsstellen abgehört worden sind, worauf sich das Kanzleramt angeblich in Washington darüber beschwert haben soll, Zitat:

„Ihr habt hier nicht mehr die Rechte wie vor 1989.“

Doch so eindeutig ist das indes nicht. Zwar wurde das Zusatzabkommen zum Nato-Truppenstatut, das die westdeutschen Geheimdienste zur nachrichtendienstlichen Zusammenarbeit mit „den alliierten Entsendestreitkräften“ verpflichtet, unterdessen geändert.

Aber auch nach Artikel 53 der Neufassung müssen(!) die Deutschen „die Erfordernisse der militärischen Sicherheit“ bei den hiesigen Nato-Kontingenten berücksichtigen, „insbesondere die Unverletzlichkeit von Räumen, Einrichtungsgegenständen und Schriftstücken, die der Geheimhaltung unterliegen“.

Was dann aber unter „Erfordernisse der Sicherheit“ verstanden werden kann, ist Ansichtssache, denn, wie jeder Geheimdienstprofi weiß:

„Da bleibt genügend Spielraum für Heimlichtuerei auf deutschem Boden.“

Zudem sind Amerikas Kundschafter nach dem Sieg über den Weltkommunismus dabei, sich in ihrem subversiven Wissensdrang neue Wirkungskreise zu erschließen: zum Beispiel auf dem Gebiet der Wirtschaftsspionage. Da geht es auch um Wettbewerbsvorteile gegenüber bisherigen Partnern, wie auch der damalige Hinauswurf von fünf US-Spionen aus Frankreich klar demonstrierte.

Nach Ansicht von Erich Schmidt-Eenboom vom Weilheimer Forschungsinstitut für Friedenspolitik hatte die CIA für die Zukunft ein diskreteres Auftreten geplant: Sie schaffe „zur Spionage gegen befreundete Gastländer zunehmend illegale Residenturen in den Auslandsniederlassungen amerikanischer Konzerne“. Überdies, so der Geheimdienstkritiker, sei Deutschland „nicht mehr Frontstaat gegenüber Rußland, sondern östlichere Vorposten wie Litauen nehmen diese Funktion wahr“.

Der Artikel schlug damals hohe Wellen, bis in den Bundestag. So stellten Anneliese Buntenbach und die Fraktion Bündnis 90/Grünen bezüglich des Artikels des Spiegels eine Anfrage an die damalige Bundesregierung.

Offensichtlich war die damalige Opposition auch geschockt über die immer noch existierende Macht der Amerikaner -in Gestalt der CIA- über Deutschland.

Hier ist die Anfrage:

Ja, durchaus berechtigte Fragen, allerdings kann man damit rechnen, dass die Bundesregierung unter Bundeskanzler und USA-Fan Helmut Kohl ganz bestimmt nicht ehrlich darauf geantwortet hat, schließlich wäre es doch ein kleiner Skandal gewesen, zuzugeben dass Deutschland immer noch unter der Kontrolle und Beobachtung ihrer damaligen Besatzer steht.

Und das tun wir bis heute noch. Im März diesen Jahres deckte Wikileaks auf, dass die CIA mittels Propaganda die deutsche Bevölkerung in Kriegsstimmung bringen wollte, Amerika weiß also bestens darüber Bescheid, wie die Deutschen zum Thema Afghanistan – und aller anderen imperialistischen US-Kriege steht, so sehr werden wir immer noch kontrolliert und bespitzelt.

Und ohne eine Abnabelung von den Vereinigten Staaten wird sich das auch nicht ändern – leider. Ein Regierungswechsel muß also her, ansonsten sieht die Zukunft Deutschlands ziemlich schwarz aus.

Quellen: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9201820.html

http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/13/025/1302542.pdf

http://wissen.spiegel.de/wissen/image/show.html?did=9201820&aref=image017/SP1995/029/SP199502900440048.pdf&thumb=false 

(Artikel des Spiegels im PDF-Format)

Siehe auch: https://deinweckruf.wordpress.com/2010/10/14/betrug-deutschland-steht-auch-weiterhin-unter-dem-besatzungsrecht/

 https://deinweckruf.wordpress.com/2010/08/04/wikileaks-propaganda-der-cia-um-die-europaer-in-kriegsstimmung-zu-bringen/

https://deinweckruf.wordpress.com/2010/11/22/die-cia-totete-uwe-barschel-und-die-bundesregierung-wusste-davon/

Kommentare
  1. Realist sagt:

    Unglaublich!
    Aber das ist mal wieder typisch, die deutsche Regierung konnte sich noch nie durchsetzen, deswegen wird sie auch weiterhin nur ein Spielball fremder und vor allem amerikanischer Interessen sein – und die CIA beobachtet sie dabei!

  2. Blade sagt:

    Echt interessant, was ihr da entdeckt habt, gute Recherche!

    Auch wenn der Spiegel Artikel von 1995 ist, durch Wikileaks wissen wir, dass uns die CIA immer noch kontrolliert und zu manipulieren versucht!

    Wer weiß vielleicht hören die ja heute noch die Telefonate vom Kanzleramt ab…

  3. Marcel sagt:

    Krass…Find ich richtig heftig! Man muß den Rest Deutschlands darüber aufklären!

    @Blade: Das tun sie bestimmt. Aber würden wir dasselbe tun, und die USA ausspionieren, hätten wir ein großes Problem…

    Doch umgekehrt geht das natürlich. Die Deutschen sind ja blöde genug, um das mit sich machen zu lassen…traurig.😦

  4. Detlef Nolde sagt:

    Hab ich noch nie gelesen, daß Markus Wolff für den CIA gearbeitet und Barschel nach Genf gelockt haben soll. Gibt es Belege für diese Annahme/Behauptung?

    • deinweckruf sagt:

      In dem Uwe Barschel-Artikel hatte ich das schon erwähnt, das geht aus dem Artikel der New York Times hervor:

      „In dem Artikel der New York Times wird auch noch erwähnt, dass die Witwe Barschels, Freya Barschel, ausgesagt hat dass ihr Mann jemanden von der Stasi mit dem Decknamen „Roloff“ treffen wollte, und unter diesem Decknamen ist der damalige Minister für Staatssicherheit, Markus Wolf, bekannt.“https://deinweckruf.wordpress.com/2010/11/22/die-cia-totete-uwe-barschel-und-die-bundesregierung-wusste-davon/

      Und hier der Originalsatz der New York Times:

      „The weekly magazine Focus reports in its latest issue that Mr. Barschel’s wife, Freya, said her husband went to Geneva to meet an East German secret police agent codenamed „Roloff,“ who the magazine said was a senior aide to the Communist spymaster Markus Wolf.“http://www.nytimes.com/1995/01/01/world/german-politician-s-death-is-reinvestigated-as-possible-murder.html?scp=11&sq=uwe%20barschel&st=cse

      – Und ich finde dem Focus, aber vor allem der Witwe Barschels kann man da schon Glauben schenken…Wenn sie sagt Barschel wollte sich mit Markus Wolf treffen, dann finde ich das schon ziemlich verdächtig…

      Das er für die CIA gearbeitet hat ist offiziell natürlich nicht bekannt, aber wenn er selber schon sagte dass die CIA ihn und seine Leute anwerben wollte dann sind das doch wirklich komische Zufälle, oder?

      • Detlef Nolde sagt:

        Stimmt, hattest Du schon erwähnt. Aber, daß die Witwe Barschels angeblich ausgesagt hat, daß ihr Mann jemanden vom MfS mit dem Decknamen „Roloff“ treffen wollte, und unter diesem Decknamen Markus Wolf bekannt gewesen sein soll (selbst dann wüßte man noch nicht, um was es bei diesem Treffen gehen sollte, vielleicht sollte Barschel gewarnt werden), ist, mit Verlaub, kein Beleg dafür, daß Markus Wolff für die CIA gearbeitet und Barschel nach Genf gelockt hat.

  5. Melanie Gatzke sagt:

    Es ist gut und auch spannend, dass sie darüber berichten, denn viele denken da wohl nicht mal im Traum daran.
    Wer gedacht hat, das wäre Vergangenheit, der bekommt hier ein Stück Wahrheit zu lesen..
    Man kann davon ausgehen, dass in jeder Organisation- egal welcher, in jeder bedeutenden Einrichtung ,ob eine Partei oder eine Veranstaltung oder was auch immer mit politischem Hintergrund zu tun hat , ein Objekt dieser Garde ganz unauffällig zugegen ist.
    Ob als Gast oder als Mitglied-egal- wie- sie sind zugegen.
    Das war nie anders, wird auch immer so sein.
    Woher sollen die denn sonst wissen, wer was wo beabsichtigt- tut- plant u.s.weiter.
    Jede Gruppe hat seinen Hörer an der Wand.
    Möchte nicht wissen, wievile Maulwürfe sich in Parteien tummeln. Einer in jeder mit Sicherheit.
    Scharfsinnige Beobachter haben dafür ein Auge.

  6. Patrick sagt:

    @Nolde: wenn es eines im barschel Fall nicht gibt dann sind es klare und vor allem 100% bewiesene Fakten.

    Also ich finde die New York Times glaubwürdig, und auch die Vermutungen von deinweckruf durchaus plausibel.

    Vor allem hat deinweckruf – Blog hier etwas aufgedeckt, was in den ganzen Barschel Ostrovsky Verschwörungdtheorien vollkommen untergegangen ist.

    Und dieser Blog hier hat etwas völlig neues an Theorien eingebracht, hat selber nachgeforscht und recherchiert und nicht wie es die meisten machen, einfach von anderen Blogs nur abzuschreiben und dieselbe These zum tausendstenmal wiederholt.

    • Detlef Nolde sagt:

      Ohne Frage, der Beitrag ist gut und letztenendes hängen all diese Dienste doch sowieso an einem Tropf bzw. dieselbe Krake steckt dahinter. Daß es 100% bewiesene Fakten nicht gibt, mag sein, lediglich die detaillierte Version von Ostrovsky die offenbar mit den derzeitigen Untersuchungsergebnissen übereinstimmt. Was mich jedoch interessiert, daß ist die unterstellte Rolle des MfS bzw. von Markus Wolff, da habe ich bis dato keine Indizien geschweige denn Belege gefunden.

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