
Als ich das erste Mal davon hörte mußte ich lauthals lachen. Einfach nur weil es so lächerlich und schlichtweg dämlich ist.
Dann aber kam ich ins Grübeln – moment mal – der Typ meint das wirklich ernst! Das ist nämlich leider genauso ernst wie Zensur und Sperren im Internet und Überwachung, man hielt es für unglaublich und auch unmachbar doch trotzdem hat die Regierung es geschafft, diese Dinge alle umzusetzen.
Aber mal von vorne: Der CDU-Bundestagsabgeordnete Axel E. Fischer kritisiert die gängige Praxis, sich in Internet-Diskussionsforen mit einem Fantasienamen zu Wort zu melden.
Ein “Vermummungsverbot im Internet” müsse her, forderte der Vorsitzende der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft des Bundestags. Es könne nicht sein, dass sich Bürger hinter selbstgewählten Pseudonymen versteckten und sich so der Verantwortung entzögen. Auf seiner Facebook-Seite äußert er sich folgendermaßen dazu:
“Wir brauchen ein „Vermummungsverbot im Internet“. Es kann nicht sein, dass sich viele Bürger in Foren oder anderen Einrichtungen des Netzes hinter selbstgewählten Pseudonymen verstecken und sich so vermeintlich jeglicher Verantwortung für Äußerungen und Verhalten entziehen. Nicht nur die Qualität von Diskussionen in Foren und Blogs leidet hierunter – die vermeintliche Anonymität verleitet viele Nutzer zu Äußerungen und Verhaltensweisen, die sie hinterher bereuen könnten.”
Unglaublich! Herr Fischer scheint wohl noch nie etwas von Privatsphäre gehört, also ich möchte nicht jedem User in einem Forum meinen vollständigen Namen offenbaren, außerdem in anderen Ländern, in den Staaten beispielsweise, oder dem Rest Europas benutzt auch sogenannte Nicknames, das ist normal und gehört zum Internet nun mal dazu. Es wäre ein schwerer Eingriff in die Privatsphäre die Menschen zu zwingen ihren vollständigen Namen im Internet zu nutzen, und es wäre auch ein weiterer, großer Schritt zur vollständigen Überwachung des Bürgers!
Aber richtig lustig wird es dann mit seiner nächsten Forderung, die “das Gleichgewicht auch weiterhin halten soll” (*lach*):
“Andererseits brauchen wir darüber hinaus die Einführung eines „Radiergummis“ im Internet, mit dem Inhalte nach einer gewissen Zeit gelöscht werden können. Kein Vermummungsverbot ohne Radiergummi, sonst entsteht ein Ungleichgewicht. Wie im täglichen Leben auch, muss jeder prinzipiell die Möglichkeit haben, veröffentlichte Informationen zurück zu holen.”
Sorry, aber das ist nun wirklich urkomisch, wie stellt er sich das denn vor? Dass wir immer das magische Radiergummi parat haben, mit dem wir dann selbst auf fremdsprachigen Seiten unsere Einträge wieder löschen können? Wie soll das denn funktionieren, beispielsweise auf einer US-Seite, auf welche ich, mit meinem “Klarnamen” nur einen Kommentar hinterlassen habe? Ich seh’s schon kommen, “die Deutschen und ihr magisches Radiergummi”, auch ihre Seite muß nun den Zugriff dafür gewähren – lachhaft.
Man merkt, dass ein Herr Fischer nicht besonders viel im Netz unterwegs ist, ansonsten würde er bestimmt nicht so einen Blödsinn fordern, der technisch eigentlich gar nicht machbar ist (zum Glück!).
Doch da darf man sich ruhig mal ernsthaft die Frage stellen, warum gerade so ein Internet-Noob wie er ausgerechnet zumVorsitzenden der Enquete-Kommission Internet & Digitale Gesellschaft gewählt worden ist.

Verbinden tut Herr Fischer seinen Überwachungswahn übrigens mit dem tollen neuen, aber zugleich auch sehr unsicheren elektronischen Personalausweis, Zitat:
“Der neue elektronische Personalausweis bietet eine ideale Möglichkeit, sich im Internet zu identifizieren. Das betrifft nicht nur die Beteiligung des Bürgers an der politischen Willensbildung, sondern ebenso seine Möglichkeit zu wirtschaftlicher Betätigung im Netz. Kunden wie Anbieter von Internetdiensten können von den verbesserten Möglichkeiten profitieren.
[...] Der neue computerlesbare Personalausweis bietet dafür beste Voraussetzungen.[...]“
Kein Wunder, dass Herr Fischer hier den neuen Personalausweis so positiv erwähnt.
Der elektronische Personalausweis ist nur ein weiterer Schritt in die vollständige Versklavung und Überwachung der Bürger, zum Glück kann man diesen NWO-Ausweis für die nächsten zehn Jahre noch verweigern, und den alten anfordern, sollte man erneuern müssen. Der Fingerabdruck auf dem Ausweis ist wahrscheinlich die größte Unverschämtheit, die sich die Bundesregierung jemals ausgedacht hat.
Für ein Vermummungsverbot im Internet steht “Axel Fischer nun höchstpersönlich mit seinem Namen”:
“[...]Das setzt aber voraus, dass man mit offenem Visier kämpft, also seinem Klarnamen nennt. Schließlich steht auch jeder Politiker mit seinem Namen für eine Entscheidung.[...]“
Was für eine erbärmliche Argumentation. Denn ein Politiker steht ja nun mal auch in der Öffentlichkeit, das hat er sich ausgesucht, das wollte er beruflich machen. Ein Politiker setzt sich freiwillig den kritischen Blicken der Öffentlichkeit aus, er muß darauf achten, was er wie sagt, und seine Handlungen und Äußerungen mit Bedacht auswählen. Ein Otto Normal-Bürger hingegen tut das nicht, er will sich nicht als Herr Meyer vor wildfremden Menschen mit seinem Namen outen müssen.
Zu guter letzt macht sich unser Herr Bundestagsabgeordneter daran, ein kleines Wahlversprechen zu geben, naja, zumindest hört es sich danach an:
“Eine breite Bürgerbeteiligung durchs Internet könnte so aussehen, dass entweder der Deutsche Bundestag auf seiner Homepage oder die einzelnen Bundestagsfraktionen im Vorfeld von wichtigen, richtungsweisenden Entscheidungen Foren einrichten, in denen die Bürger ihre Meinung kundtun oder gar abstimmen könnten – und so den demokratischen Entscheidungsprozess beeinflussen. Das setzt aber voraus, dass man mit offenem Visier kämpft, also seinem Klarnamen nennt.
Damit käme die Politik der Forderung aus der Bevölkerung nach mehr direkter Demokratie entgegen, ohne das System ändern zu müssen. Die repräsentative Demokratie, in der das Parlament die rechtskräftigen Entscheidungen trifft, hat sich in den letzten Jahrzehnten bewährt. Eine solche zusätzliche Beteiligungsmöglichkeit könnte unsere Demokratie jedoch stärken.”
Achso, also wenn wir ein Vermummungsverbot im Internet hätten, und sich jeder nur noch mit seinem “Klarnamen” im Internet meldet, dann bekommen wir mehr direkte Demokratie, a la Volksentscheide, oder wie?

Oh oh, Herr Fischer, Sie begeben sich damit auf wirklich gefährliches Terrain, wenn Sie so etwas in die Welt setzen. Abgesehen davon ist es gar nicht machbar, die Vorstellungen dieses CDU-Politikers greifen ins Leere, vielleicht sollte man sich erstmal mehr mit dem Internet vertraut machen, bevor man nie realisierungsfähige Vorschläge herumposaunt, nur um sich wichtig zu machen. Die Umsetzung ist doch völlig unmöglich, wie will man den Millionen Menschen in Deutschland ihre Nicks in sämtlichen Foren auch wegnehmen? Das ist doch absolut lächerlich.
Nachdem sich die Forderung Fischers von einen Vermummungsverbot herumgesprochen hat, versucht Axel Fischer nun, seine Forderung zu revidieren, anscheinend hat er wohl selber gemerkt, wie lachhaft seine Vorschläge eigentlich sind.
Denn eine weitere knappe Antwort auf seinem Facebook-Profil lässt dies vermuten, Zitat:
“Hallo Lutz, natürlich kann der Bundestag Diskussionsbeiträge nur mit Klarnamen zulassen. Es gibt Zeitungen, die machen das schon. Ist also nichts NEUES!
Spannend ist für mich nur, wer sich jetzt aufregt und mich bewusst falsch interpretiert.”
Klar, er wurde ja nur falsch verstanden und interpretiert, natürlich. So versucht man sich aus der Affäre zu ziehen, typisch Politiker.
Und nur weil Klarnamen “nichts NEUES” sind und es auch schon der Bundestag und Zeitungen so machen, heißt das doch nicht, dass man gleich ein ganzes Land dazu zwingt! Das ist doch eine absolute Dreistigkeit, so etwas zu verlangen.
Fakt ist, Anonymität und Pseudonyme sind wichtig, sie sind elementar zum Schutz und Erhalt der Demokratie.
Und würde man die Anonymität im Internet abschaffen, würde das Internet zu einer noch viel eingeschränkteren, 100% überwachten Sphäre, als es die “normale Öffentlichkeit” jemals war. Das Internet würde zum vollständig staatlich überwachten Medium, stärker überwacht als alles andere.

Aber da will die Regierung ja anscheinend hin, sie will die Menschen zu Sklaven in einem Überwachungsstaat machen! Wir müssen Widerstand leisten, gegen diese schleichende, im Deckmantel “Demokratie” getarnte Diktatur. Denn ich will nicht irgendwann per Chip unter meiner Haut von der Regierung geortet werden, eine schreckliche Vorstellung, oder?
Quellen: http://de-de.facebook.com/notes/axel-fischer/vermummungsverbot-im-internet-pflicht-zur-klarnamen-nennung-im-internet-radiergu/456370668358
http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,729179,00.html
Siehe auch: http://deinweckruf.wordpress.com/2010/08/10/websperren-uber-die-eu-durchbringen-top-secret/
http://deinweckruf.wordpress.com/2010/09/24/eu-diktatur-nimmt-langsam-formen-an-mit-internetsperren-und-massiver-einschrankung-der-freiheit/